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Geschichte - Gegenwart - Zukunft
                   
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Sagen und Legenden aus Unsernherrn


   
   
Die Namensverwechslung

Anno '70 wartete in Ingolstadt eine alte Frau an einer Bushaltestelle auf den Bus nach Unsernherrn. Als dieser sich näherte fiel es der Frau aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters schwer, die Ziffer auf dem Bus zu lesen. Um ganz sicher zu gehen brüllte sie schließlich durch die geöffnete Türe dem Busfahrer zu: "Fahren Sie auch nach "Vater-Unser"?

Der Busfahrer stutzte zunächst wegen des seltsamen Begehrs der alten Frau. Allerdings wurde ihm nach wenigen Augenblicken klar, was die Frau wirklich wollte. Deshalb antwortete er kurzerhand: "Ja, bei "Unsam' Herrn" fahr' ma a vorbei." Beruhigt stieg die alte Frau in den Bus und kam auch wohlbehalten in "Unsernherrn" an.



Die verhexten Äpfel

In ihren jungen Jahren, bevor sie den lustigen Högele Martin heiratete, diente die Münzhuber Uschi aus Manching im "Henna-buckl" (Hennenbühl) als Magd. Einmal bekam sie dort eine Schürze voll schöner rotbackiger Äpfel geschenkt. Auf ihrem Gang von Hennenbühl nach Unsernherrn, den sie am gleichen Tage unternehmen mußte, trug sie sie froh mit sich, weil sie gar so gesund ausschauten und köstlich dufteten; hatte sie die Apfel doch selbst aussuchen dürfen und selbstverständlich nur zu den besten gegriffen!

Unterwegs kam ihr ein altes Weib in den Weg, das fragte: "Dirndl, was hast du denn da drin, in deinem Korb?" - "Schöne Äpfel von der Binner-Bas", antwortete die Uschi und nahm bereitwillig das Tuch von der Krätze, um der fremden Frau die herrlichen Früchte sehen zu lassen. "Die muß ich auch versuchen", sagte die und nahm sich einen dicken Apfel. Dann gingen beide weiter. Als die Uschi aber Unsernherrn erreichte und wieder nach ihren Äpfeln schaute, da waren sie alle ganz verfault.

Selbst in ihren alten Tagen ließ es sich die Högele Uschi, eine kreuzbrave und fleißige Frau, nicht nehmen, daß das neugierige Weib damals die schönen Äpfel verhext hatte.

(Quelle: Emmi Böck, Sagen und Legenden aus Ingolstadt, 1995, Pinsker-Verlag, Ingolstadt)



Das untrügliche Zeichen

Vor noch nicht allzulanger Zeit, etwa in den zwanziger Jahren, gab es in Unsernherrn einen Mesner namens Münzenhofer. Der wohnte im Ortsteil Siechenhaus draußen. Nachdem er bereits zweimal verheiratet gewesen und ihm beide Frauen weggestorben waren, entschloß er sich zu einer dritten Ehe. Obwohl die Frau das Hauswesen ordentlich versah, fiel dem Mesner manches an ihrem Gebaren auf, was ihm nicht paßte. Es kam ihm mitunter vor, als sei sie eine Hexe. Aber Beweise hatte er keine, wenn auch mit jedem eingeflochtenen Pferdeschwanz in der Nachbarschaft, wo dann der Pfarrer den Stall ausweihen mußte, sein Verdacht sich verstärkte, das hätte sein Weib getan.

Bald darauf starb auch seine dritte Frau. Da wollte der Mesner die Sterbeglocken läuten, die an einem nagelneuen Glockenstrang hingen. Als nun der Glockenstrang nach ein paar Mal Anziehen abriß, da ging dem armen Münzenhofer ein Licht auf, und er sagte: "Jetzt weiß ich genau, daß meine letzte Frau eine Hex gewesen ist!"

(Quelle: Emmi Böck, Sagen und Legenden aus Ingolstadt, 1995, Pinsker-Verlag, Ingolstadt)



Die schwarze Sau

Als der Högele-Vater noch seinen Hof in Unsernherrn besaß, hatten seine Buben, der Martl und der Sepp, einmal, als sie abends in der Dunkelheit heimgingen, eine merkwürdige, ja unheimliche Begegnung. Der Sepp öffnete das knarrende Hoftürl und betrat den Hof, dicht gefolgt von seinem älteren Bruder, hinter dem das Gatter scheppernd zufiel. Gleich darauf schepperte das Türchen abermals, ohne daß man jedoch jemand herein kommen sah. Wie sich der erschrockene Martl schier die Augen ausschaute nach dem so späten und noch dazu unsichtbaren Besucher, erspähte er vor der Haustür eine schwarze Sau. Flink zog er den Pantoffel vom Fuß und wollte ihn dem Teufelstier nachwerfen. Die schwarze Sau aber lief wie der Blitz ins Eck zwischen den zwei Stadeln hinein und wurde nicht mehr gesehen.

(Quelle: Emmi Böck, Sagen und Legenden aus Ingolstadt, 1995, Pinsker-Verlag, Ingolstadt)



Vom Siebten Buch Mose

Früher gab es in manchen Orten das 7. Buch Mose. So auch in Haunwöhr, Hundszell und in Unsernherrn. Leute, die darin lasen, konnten ihren Nachbarn, denen sie übel wollten, großen Schaden tun. Nach ihrem Tod aber, vor der Beerdigung, sind sie im Sarg schwarz erschienen und auf dem Bauch gelegen, obwohl sie noch kurz vorher, als man sie in die Truhe bettete, ganz hell und buchstäblich leichenblaß waren.

Der Stürber Pauli, ein verwegener Hundszeller, forderte einmal vom Lackermeier, dem Mann der Unsernherrner Totenfrau, er solle den Sarg aufmachen und ihn hineinschauen lassen; er bekomme auch fünf Mark dafür. Der Lackermeier-Vater öffnete die Truhe, und die Tote, ein Weib, das immer im 7. Buch Mose gelesen und ihren Feinden durch dessen Zauber geschadet, lag wirklich so darinnen, wie die Leute es gesagt: schwarz wie eine Kohle.

(Quelle: Emmi Böck, Sagen und Legenden aus Ingolstadt, 1995, Pinsker-Verlag, Ingolstadt)



Der festgebannte Teufelsbeschwörer

Zu denen, die im 7. Buch Mose lasen, gehörte auch ein Schäfer, dem es aber bei einer Teufelsbeschwörung übel erging. Als eines Tages zu Unsernherrn eine Gruppe schneidiger Burschen im Wirtshaus saß - der Schuster Michel, der Schweizer Martl und der Högele Martl hockten auch dabei -, sagte der Schäfer: "Bal's ös enk net ferchtn tats, nachat kunnt i enk an Gankerl herbettn!" - "Mir und ferchtn! Mir ferchtn uns net! Mir deana mit!"

Da führte sie der Schäfer zu dem Kreuz unweit vom Huber-Wirt, gleich neben der Augsburger Bahn. Der Teufelsbeschwörer nahm einen der Burschen mit, die anderen verharrten in einiger Entfernung. "Ös derfts mi aber gwiß net valassn!", mahnte der Schäfer noch und begann dann nach den Regeln seiner schwarzen Kunst ununterbrochen zu beten, damit der Teufel auch wirklich erscheine. Als Mitternacht nahte, wurde es seinem Begleiter angst; "vielleicht", dachte er, "kann der Schäfer doch den Leibhaftigen als kleines Jagermandl mit einem Spitzhütl auf herbeten, so wie er es versprochen." Und von großer Furcht gepeinigt, lief er davon. Da war es freilich aus mit der Beschwörung, und der Teufel kam nicht. Der Schäfer aber schwitzte und betete eine geschlagene Stunde lang. Er konnte nicht mehr weg von dem Fleck und mußte sich erst losbeten. Wäre der andere bei ihm geblieben, dann hätte nichts gefehlt.

(Quelle: Emmi Böck, Sagen und Legenden aus Ingolstadt, 1995, Pinsker-Verlag, Ingolstadt)



Beim Högele-Bauern

Der Högele-Vater, der auch mit Vieh handelte, hatte bis 1928 zu Unsernherrn einen Hof. Der war nicht schöner und nicht schlechter als die meisten anderen Anwesen dort; aber eins unterschied ihn von denen: seine eingekeilte Lage am Ende eines Gäßleins, gleich neben dem Frey-Hof, war ein "gefundenes Fressen" oder, wie man auch sagt, "eine gemähte Wiese" für die Hexen. Und ringsum wohnten ganz verdächtige alte Weiber, wie die Berndamerin und die Funkin. Weil es in Unsernherrn viele solche Unholdinnen gab - nicht nur die Münzenhoferin war als Hex verschrien -, suchte sich der Högele-Vater gegen sie zu schützen.

Die alte Häuflin im Dorf, die ein Werlaug und eine "Hennabrust" abbeten konnte, und die andere erfahrene Abbeterin in Unterhaunstadt vermochten da wohl nichts auszurichten. Deshalb wandte sich der Högele-Bauer, wenn es ihm gar zu dick einging mit der Hex, wenn die Viecher keine Milch gaben und Unglück im Stall herrschte, an zwei Frauen in Vohburg - "Sensbach haben sie, glaub' ich, geheißen" -, die dann kamen, um Abhilfe zu schaffen, oder an den Ochserer Hans, der Schweizer auf einem Eitensheimer Gut war und weit und breit bekannt. Der alte Bierach aus Ringsee holte ihn ebenso gläubig wie die Weißin in Buxheim oder die Leute in Irgertsheim.

Der Högele hatte etwa dreißig Hühner. Die legten nur noch sechs oder höchstens acht Eier am Tag und gatzten ganz erbärmlich. Da fuhr der Bauer nach Eitensheim, um sich dort Rat zu holen. Am Karsamstag mußte er ein frischgelegtes, mit einem grünen Seidenfaden überkreuztes Ei in die heiße Asche tun und etwas Bestimmtes dazu sprechen im Namen der hl. Dreifaltigkeit. Daraufhin, so beteuerte der Högele-Vater zeitlebens, hätten die Hühner so viel Eier "nachgebracht", daß das beinahe auch schon wieder nicht mit rechten Dingen zugehen konnte.

Einmal stand unter den Kühen eine, die beim Melken immer hinum und herum trippelte. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, weil das häufig vorkommt. Als aber der Högele eines Abends spät noch in den Stall kam, sah er zu seiner Überraschung und zu seinem großen Schrecken, wie die Kuh so tat, als ob sie gerade gemolken würde. Sie trippelte beständig, dabei konnte man niemand im Stall erspähen. Das war das Gefährliche: Sie wurde unsichtbar gemolken. Auf Anraten vom Ochserer Hans nahm der Bauer eine Mistgabel und stieß mit ihr unzählige Male auf das Euter der trippelnden Kuh los. Am nächsten Tag sah er seine Nachbarin, die alte Funkin, wehleidig mit eingebundenem Kopf umherlaufen. Jetzt wußte er, wer ihm immer die gute Kuh gemolken hatte und wen er gestern zur Strafe mit der Gabel zerstochen.

Als wieder einmal den Rössern Zöpferl eingeflochten waren und sie gottserbärmlich schwitzten, weil sie nachts stets die Hex ritt, kam der Eitensheimer Schweizer, nachdem man ihn hergebeten hatte, und brachte im Namen der hl. Dreifaltigkeit über jeder Stalltür ein hölzernes Stöckerl an. Schließlich schärfte er dem Bauern und seiner Frau, der Uschi, noch ein, beim Verlassen des Stalles immer den Besen auf den Kopf zu stellen oder ein Messer mit der Schneid nach oben in die Stalltür zu stoßen und nicht das Geringste herzuleihen, dann könnte die Hex keinen Schaden anrichten.

Damals muß es auch gewesen sein, daß der Ochserer Hans eine, die dem Hauswesen Abbruch tat, von ganz weit herzitierte. Der Högele-Vater staunte nicht schlecht, als ein altes Weib aus Obergrasheim, durch die Kraft des Schweizers beschworen, den Hof betrat. Der Bauer holte seinen Torf gewöhnlich dort im Moos, wo er ihn naß lagerte und erst einbrachte, wenn er vollständig trocken war. Das alte Weib aus Obergrasheim hatte sich das zunutze gemacht und stets den trockenen Torf abgeklaubt, war aber nun durch die Kunst des Hexenbanners aufgekommen und an ihr zuschanden geworden.

Wenn man drei Tage lang nichts herlieh, konnte einem, wie der Ochserer Hans sagte, die Hexe nicht mehr an. Sie wurde dadurch so gequält, daß sie nun selbst kommen und etwas entlehnen mußte, wodurch sie sich einwandfrei verriet. Ganz vermochte sich der Högele-Vater nie von den Hexen zu befreien. Deshalb verkaufte er seinen Hof, der ihm kein Glück gebracht, und zog nach Manching und später, 1938, nach Ringsee. Auf die Dauer konnte eben auch der Ochserer Hans nicht fürs Wohlergehen bürgen, weil es wahrscheinlich noch andere Mächte gab, denen sogar er nichts anhaben durfte.

Das Anwesen ist dann vertrümmert, also nicht im ganzen, sondern stückweise verkauft worden. Der "dorat Huber-Maurer" hat den Stall gekauft und ihn als Wohnhaus ausgebaut. Bald spannte auch er, daß damit etwas nicht stimmte, denn seine Frau wurde schwer krank und genas nimmer. Er versuchte der Sache auf den Grund zu gehen, und als er einmal den Högele Martin traf, sagte er: "Weißt du, warum du im Stall kein Glück verspürt hast?" - "Wegen der Hexen, was sonst?" - "Nein, ich hab' Wünschelrutengänger kommen lassen, die brachten heraus, daß unter dem Stall etliche Wasseradern verlaufen, die Mensch und Tier schaden können." - "Wer's glaubt, wird selig", versetzte der Högele-Bauer. Er glaubte es nicht. Für ihn und viele, viele andere war das ganze Pech mit dem Vieh einzig und allein die Schuld der Hexen.

Davon erzählte er Anfang der vierziger Jahre auch seiner kleinen Enkelin Mariele, seinem Enkel Seppi und deren Freundin Emmi. Die wurde von den Worten des Högele-Vaters so beeindruckt, daß sie später, als sie schon groß war, nichts anderes mehr tun wollte als Hexengeschichten sammeln und aufschreiben, damit alle erfahren, was es früher mit den Hexen auf sich hatte.

(Quelle: Emmi Böck, Sagen und Legenden aus Ingolstadt, 1995, Pinsker-Verlag, Ingolstadt)



Die Pfarrkirche zu Unsernherrn

In einem Dorf der Irnau, unweit der "Sonnenbruck", noch im Burgfrieden von Ingolstadt, stand einst eine Kapelle. Schändliche Diebe brachen sie auf und stahlen den aus purem Gold gefertigten Kelch und auch die geweihten Hostien. Weil sie aber ihre Beute nicht gleich mitnehmen konnten, da es schon tagen wollte, verbargen sie sie unter einem Strauch.

Als man anderntags den Frevel entdeckte und nach den Einbrechern suchte, sah man Vögel mit lautem Gekreisch immer um ein und dieselbe Eiche kreisen, in deren Schatten die Staude wucherte. Man schaute dort nach und fand das versteckte Diebesgut. Der Platz kam dadurch in einen sonderbaren Ruf, und bald wurde hier eine neue Kapelle gebaut, die man in Anlehnung an St. Salvator in Bettbrunn "Klein-Salvator" nannte oder "Unseres Herrn Leichnam".

Zu diesem Kirchlein, nach dem nun die ganze Ortschaft "Unsern-Herrn" heißt, kamen, besonders an den Freitagen von Ostern bis Pfingsten, große Wallfahrerscharen. Am dritten Tag der Bittwoche zog auch die Prozession aus der Oberen Pfarr dorthin. Man war schließlich genötigt, das Kirchlein zu vergrößern, so daß eine schöne, geräumige Wallfahrtskirche entstand.

In dem Gotteshaus zeigte man noch in den dreißiger Jahren eine ziemlich große, mit einem Eisengitter überdeckte Öffnung in den Steinfliesen vor dem Hochaltar. Es soll der Platz sein, an dem der Busch stand, hinter dem die Diebe ihre Beute verborgen halten. Auf der Rückseite des Hauptaltars ist in einem vierteiligen Ölbild aus dem 16. Jahrhundert diese ganze wunderbare Begebenheit meisterhaft dargestellt, auch das Ende der Schandbuben, die man bald zu fassen kriegte und denen man schnell das Gericht machte.

(Quelle: Emmi Böck, Sagen und Legenden aus Ingolstadt, 1995, Pinsker-Verlag, Ingolstadt)


   
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